Geringes Nettoeinkommen: Sind Studierende automatisch Minimalist*innen?
Geringes Nettoeinkommen: Sind Studierende automatisch Minimalist*innen?

Geringes Nettoeinkommen: Sind Studierende automatisch Minimalist*innen?

Bei den meisten: Ja! Der Minimalismus kam in meiner Startphase des Bachelorstudiums, in der Gestalt eines Buches, auf mich zu bzw. in meine Hände.

Wer kennt es nicht – Studieren bedeutet für viele, und vor allem für Studis im Bachelor- und Master of Arts, kaum Geld in der Tasche zu haben. Selbstverständlich kauft man dadurch weniger neu uns mehr gebraucht: meistens generell deutlich weniger. Klingt nach schlimmen Zeiten, oder? Ich beweise dir das Gegenteil und erzähle dir von den Vorteilen, mit wenig Geld auskommen zu müssen. Viel Spaß!

Mehr Ausgaben als Einnahmen

Als Ersti schaust du erstmal in die Röhre. Beim BAföG beantragen verzweifelt, wartest du auf Rückmeldung der schnellsten Behörde der Welt – einer deutschen Behörde. Haha. Du wirst vom Studium überrumpelt und von deinem zunächst leerstehenden WG-Zimmer herausgefordert. Yeah! Das Studentenleben ist chillig. Mit wenig gut betuchtem Elternhaus schielst du auf deinen Kontostand, wenn du zum Kennenlernen mit den anderen Erstis durch die Kneipen ziehst.

In der folgenden Grafik siehst du, dass 25 Prozent der Studierenden im Jahr 2021 (hellblau) kein eigenes Einkommen haben und 25 Prozent ein Nettoeinkommen von bis zu 500 Euro im Monat haben. Rund 29 Prozent haben ein Nettoeinkommen von 500 bis unter 1.000 Euro. Sehr wenige verdienen mehr als 1.500 Euro monatlich. Fasst man es zusammen: rund 50 Prozent der Studis hatten entweder kein eigenes Nettoeinkommen oder ein Einkommen unter 500 Euro. Mit einer Miete von durchschnittlich 400 Euro geht wohl das meiste vom Einkommen zum Wohnen drauf. Mit dem Geld, was man dann noch zur Verfügung hat, geht man sparsam um – minimalistisch leben ist für mich nur eine logische Konsequenz aus geringem Einkommen.

Statista, hier online verfügbar.

Ich grenze in diesem Beitrag das Thema Armut vom Minimalismus ab, da es hier um eine freiwillige Entscheidung geht, wenig auszugeben und wenig zu besitzen. Wäre vielleicht mal interessant für einen eigenen Beitrag? Oder als Gastbeitrag, falls jmd. Interesse an dem Thema hat;)

Es herrschen immer noch Nachteile für jene, die finanziell benachteiligt sind, mit oder ohne BAföG. Mehr zu finanzielle Lage Studierender während Corona auf mdr.de.

Der erste Studi-Nebenjob

Du hast neben dem Vollzeitstudium Zeit für einen Nebenjob oder bist schlichtweg gezwungen nebenbei zu arbeiten? Dann herzlichen Glückwunsch! Du tauschst deine Freizeit, in der du für die Uni lernen könntest, gegen Lohnarbeit ein. Daran führt bei vielen kein Weg vorbei. Die Miete und vielleicht noch ein Teil deiner Lebensmittelausgaben lassen sich durch deinen Job decken. Oder?

Ebay Kleinanzeigen ist dein echter Freund und Helfer

Secondhand-Möbel sind zum Glück stark im Trend. Gut für dich, denn mehr kannst du dir nicht leisten. Gebrauchte IKEA-Möbel regeln! Dein Zimmer sieht im zweiten Semester aus wie eine Patsch-Work-Decke: Durchgewürfelt und wenig stilsicher. Aber wen juckt es? Bei den meisten sieht es so aus. Zumindest in meinem Freundeskreis, was mich sehr beruhigt.

Wenig Geld, wenig Zeug

Der logische Schluss aus einem Leben ohne dicken Gehaltscheck: Studierende sind zwangsweise Minimalist*innen. Es sei denn, sie nehmen sich einen fetten Kredit auf oder spielen Limbo mit dem Dispo ihres Girokontos. Alles Wichtige zum Thema Konto überziehen findest du hier.

Weniger Zeug, mehr Platz!

Wenn man glücklicher Besitzer oder glückliche Besitzerin von einem WG-Zimmer mit mehr als 10 m2 ist, hast du automatisch genug Platz für WG-Partys. Ich kenne keine WG mit sperrigen und teurem TV-Sideboard – es geht wohl auch ohne. Fernseher oder Laptop kann auch auf dem Schreibtisch platziert werden. Man sitzt auf dem Bett, einem Sofa oder auf dem Boden. Es bleibt also genug Raum für Gespräche und eine Bierpong-Platte oder einem Bierpong-Wäscheständer!

Studis sind minimalistisch

Ich kann von mir sagen, dass ich wenig bis keine finanziellen Nöte in meiner Studienzeit hatte, zum Glück. Doch der Wunsch, eigenes Geld zu verdienen, wächst mit jedem Semester. Endlich sämtliche Ausgaben unabhängig von seinen Sponsoren decken zu können, ein Träumchen!

Was ich mit den höheren Einnahmen NICHT tun werde:

  • Nicht öfter auswärts essen gehen – selbst kochen
  • Keine Kaffee ToGo kaufen – Thermobecher zu Hause mit Kaffee befüllen
  • Nicht öfter beim Lieferdienst bestellen – Fertiggerichte/Fastfood im Supermarkt kaufen
  • Nicht in Hotels gehen – Campingplatz, Hostels oder B&B buchen
  • Niemals einen Neuwagen kaufen – Öffi-Ticket benutzen

Ich strebe nach meinem Studium also eine möglichst hohe Sparquote an und versuche keine bis wenige Verbindlichkeiten anzunehmen (ein Auto zu kaufen bedeutet eine Verbindlichkeit zu kaufen, weil du neben den Anschaffungskosten auch Autoversicherung, Treibstoff etc. bezahlen musst) und meinen Lebensstandard nicht stark zu verändern. Das heißt für mich: weiterhin Secondhand Möbel kaufen, gebrauchte Kleidung tauschen und mit einem Büchereisausweis Literatur ausleihen. Hier kommt zu der minimalistischen Mindset das Phänomen namens Frugalismus ins Spiel. Mehr dazu später.

Was ich mit einem höheren Nettoeinkommen machen möchte?

  • Einen World-ETF mit mind. 100 Euro monatlich besparen (1 Jahr = 1.200 Euro)
  • mind. 4 Euro an eine weitere NGO spenden (1 Jahr = 48 Euro)
  • Monatlich 40 Euro für Reisen zur Seite legen (1 Jahr = 480 Euro)
  • mehr dazu in zukünftigen Beiträgen 😉

Bist du auch Studi und kannst meine These bestätigen? Wenn ja, ist dir bewusst, dass dein Leben minimalistische Züge hat? Wenn nein, was machst du anders? 😀

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